Deutschland zahlt drauf: Warum Windenergie hier fast am teuersten ist

Windstrom wird weltweit günstiger. In Deutschland steigen die Kosten jedoch gegen den Trend. Der Grund liegt nicht in der Technik – sondern im System.

Die neue Kostenreport der Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) fällt für Deutschland ernüchternd aus: Während fast alle großen Märkte sinkende Baukosten für Windkraft an Land verzeichneten, stiegen die Kosten hierzulande um drei bis sieben Prozent. Ein Windpark kostete in Deutschland 1.828 US-Dollar (1.600 Euro) pro Kilowatt installierter Leistung – mehr als doppelt so viel wie in China. Die Ursache lag laut dem Report nicht bei den Turbinen selbst, sondern bei Planung, Genehmigung und Netzanschluss. In China sanken die Kosten im selben Zeitraum um zehn Prozent auf 789 US-Dollar (690 Euro) pro Kilowatt, den niedrigsten Wert weltweit.

Der deutsche Aufschlag im Detail

Der Irena-Report verglich die sogenannten Total Installed Costs. Dieser Wert umfasst alles von der Turbine über das Fundament bis zum Netzanschluss und der Genehmigung. In Deutschland machten die Turbinen weiterhin 47 Prozent der Gesamtinvestition aus. Der Rest verteilte sich auf Projektentwicklung, Infrastruktur und Verwaltung.

Die Stromgestehungskosten spiegelten diesen Unterschied deutlich wider. In Deutschland betrugen sie 52 US-Dollar pro Megawattstunde, in China nur 27 US-Dollar. Die Stromgestehungskosten beschreiben den Preis, den eine Anlage über ihre gesamte Lebensdauer mindestens erlösen muss, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Standort Deutschland trotzdem mit Potenzial

Paradoxerweise sprach der Ertrag sogar für deutsche Standorte. Windparks erreichten einen Kapazitätsfaktor von 46 Prozent – einen der höchsten Werte aller erfassten Länder. Dieser Wert beschreibt, wie viel Strom eine Anlage im Verhältnis zu ihrer maximalen Leistung tatsächlich erzeugt. Die hohen Investitionskosten fraßen diesen Vorteil jedoch vollständig auf.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags zeichnete die Entwicklung auf Basis von Daten der Deutschen Windguard nach. Zwischen 2015 und 2020 sanken die Hauptinvestitionskosten für Windturbinen. Seit 2020 stiegen sie wieder an. Für 2024 lag die Spanne bei 910 bis 1.420 Euro pro Kilowatt inklusive Fundament.

Zwei Kostentreiber überlagern sich

Zwei Effekte wirkten gleichzeitig auf die Kosten. Zum einen verteuerten sich weltweit Rohstoffe und Logistik, verstärkt durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ab 2022. Zum anderen kam ein spezifisch deutscher Aufschlag bei Planung und Netzanschluss hinzu.

Der Irena-Report stellte klar: Das deutsche Problem war kein Kapitalkosten-Problem. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern erklärten Länderrisiko, Zinsniveau und Inflation den Großteil der Kostenunterschiede. Für Deutschland galt das nicht. Die Stromgestehungskosten stiegen, weil höhere Investitionskosten bei Planung und Netzanschluss die guten Erträge überkompensieren.

Der eigentliche Flaschenhals

Trassen, Netzanschlüsse und Genehmigungsverfahren begrenzten das Tempo der Energiewende. Die vier Übertragungsnetzbetreiber veranschlagten rund 14.200 Kilometer neue Stromtrassen bis 2045. Der geschätzte Investitionsbedarf lag bei 650 Milliarden Euro. Die Irena-Zahlen zeigten, dass dieser Engpass bereits auf der Kostenseite einzelner Windparks ankam.

Deutschland baute zwar mehr erneuerbare Kapazität auf. Die Kosten sanken aber nicht im gleichen Tempo. Wer Windkraft günstiger machen wollte, musste laut dem Report auf keine neue Turbinengeneration warten. Der Hebel lag bei kürzeren Planungs- und Genehmigungswegen sowie einem Netzanschluss, der keinen eigenen Kostentreiber darstellte. China zeigte, wie schnell sich die Kostenkurve drehte, wenn Verfahren und Markt zusammenwirkten.

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