Der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland ist ins Stocken geraten. Die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz läuft aus – doch eine Nachfolgeregelung fehlt aktuell. Das gefährted die Planungssicherheut einer ganzen Branche.
Die deutsche Ökostrombranche befindet sich im Sommer 2026 in einer schwierigen Lage. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – seit mehr als 20 Jahren das zentrale Förderinstrument für grünen Strom – verliert zum Jahresende 2026 eine Beihilfe-Genehmigung der EU-Kommission. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche arbeitete zwar an einer Novelle. Doch die Neuregelung verzögerte sich seit Monaten. Branchenvertreter warnten vor Entlassungen und einem Stillstand beim Ausbau. Ohne neues Gesetz fehlte Investoren jede Planungssicherheit für neue Projekte.
Windenergie verfehlt die Ausbauziele deutlich
Die Planungsunsicherheit zeigt bereits ihre Auswirkungen. Der Ausbau der Windkraft an Land blieb weit hinter den Vorgaben zurück. Im vergangenen Jahr gingen Windräder mit einer Kapazität von 5,2 Gigawatt ans Netz. Das Ziel lag bei 7,8 Gigawatt. Auch im laufenden Jahr reichte der Zubau nicht aus, um die selbst gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen.
Der Bundesverband Windenergie verwies auf einen extrem kalten Januar und Februar. Die niedrigen Temperaturen bremsten die Bauarbeiten in den ersten Monaten. Der Verband setzte auf einen Nachholeffekt in den Sommermonaten. Die Unsicherheit über die künftige Förderung verschärfte das Problem jedoch zusätzlich.
Solarbranche zwischen Wachstum und Verunsicherung
Bei der Solarenergie zeigte sich ein gemischtes Bild. Im ersten Halbjahr 2026 nahmen Betreiber Anlagen mit rund neun Prozent mehr Leistung in Betrieb als im Vorjahreszeitraum. Solaranlagen deckten rechnerisch bereits ein Fünftel des deutschen Strombedarfs. Doch die Dynamik reichte laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) nicht aus, um die nächsten Etappenziele zu erreichen.
Zusätzlich verunsichert ein Entwurf aus dem Wirtschaftsministerium die Branche. Ministerin Reiche plant, die Förderung kleiner Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern komplett zu streichen. Diese Ankündigung bremst den Zubau aus Sicht des BSW bereits spürbar. Die angespannte Wirtschaftslage tat ihr Übriges.
Ausschreibungen ohne klare Rechtsgrundlage
Das zentrale Problem liegt im Fördermechanismus selbst. Wer einen Wind- oder Solarpark errichten möchte, muss an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur teilnehmen. Der Anbieter mit den niedrigsten Stromgestehungskosten erhält den Zuschlag. Für das laufende Jahr plant die Netzagentur noch zwei Ausschreibungsrunden.
Doch ohne neue gesetzliche Grundlage blieb unklar, mit welchen Erlösen die Firmen kalkulieren müssen. Das schmälert das Interesse an den Ausschreibungen. Ministerin Reiche kündigte an, noch im Juli einen EEG-Reformvorschlag ins Kabinett zu bringen. Die Kabinettssitzung am 22. Juli enthält das Thema auf der Tagesordnung.
Ein bekanntes Muster droht sich zu wiederholen
Die Erneuerbare-Energien-Branche kennt solche Einbrüche bereits. Unter dem früheren Wirtschaftsminister Peter Altmaier brach der Windkraft-Ausbau ab 2018 massiv ein. Die sogenannte Altmaier-Delle prägte die Branche über Jahre. Das 2023 von der damaligen Ampel-Koalition beschlossene Gesetzespaket „Windenergie an Land“ entschlackte Genehmigungsverfahren und sorgte für neuen Schwung.
Nun drohte eine erneute Delle – diesmal ausgelöst durch regulatorische Unsicherheit. Die Präsidentin des Bundesverbands Windenergie warnte vor einer drohenden Katastrophe. Erste Unternehmen entließen bereits Mitarbeiter. Ohne schnelle Klarheit über die künftige Förderung stand der gesamte Ausbau Erneuerbarer Energien auf der Kippe. Die Branche brauchte dringend ein verlässliches Signal aus Berlin.

